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Prognose der Schülerzahlen und des Lehrkräftebedarfs in Hessen bis zum Jahr 2030: Kultusministerium muss mit beträchtlichem Bedarf an Lehrkräften rechen

Neben den schönen Bildern der Einschulung sehen die Linken in Wiesbaden vor allem das Problem des LehrerMangels. Die Schülerzahlen in Hessen würden steigen- besonders an den Grundschulen und den Gymnasien. Deshalb brauche Hessen mehr Lehrerinnen und Lehrer, so die Landtagsfraktion die Linke.
Video Hessenschau
Und wir bleiben beim Thema Schulen, denn kaum hat das neue Schuljahr begonnen, da entbrennt alle Jahre wieder ein Streit um die Zahlen. Für das Kultusministerium ist die Lehrerversorgung offiziell geregelt. Die Opposition im hessischen Landtag sieht das anders. Die Fraktion Die Linke hat heute eine neue Studie vorgestellt, durchgeführt vom Forschungs-Institut für Bildungs- und Sozial-Ökonomie. Sie will damit für mehr Klarheit bei den Zahlen sorgen.
Video Sat 1

Heute hat die Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag die Studie „Prognose der Schülerzahl und des Lehrkräftebedarfs an allgemeinbildenden Schulen in Hessen bis 2030“ vorgestellt, die das FiBS (Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin) im Auftrag der Fraktion erarbeitet hat. Dazu erklärt Gabi Faulhaber, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag:

„Wenn es um Schülerzahlen und den Lehrkräftebedarf geht, wird seitens des Kultusministeriums stets die gute Versorgung der hessischen Schulen hervorgehoben. Kultusminister Lorz hält eine gute Lehrerversorgung für garantiert - die Realität sieht anders aus. Noch vor vier Jahren war von einer ‚demografischen Rendite‘ und einem erheblichen Rückgang von Schülerzahlen in Hessen die Rede. Im vergangenen Jahr registrierte das Ministerium dann einen Mangel an Grundschullehrkräften. Es forderte pensionierte Lehrerinnen und Lehrer händeringend zur Rückkehr in den Schuldienst auf, was die eigene, lange Zeit öffentlich vertretene Darstellung schlicht Lügen strafte.

Nun werden immer wieder Teilzeitlehrkräfte darauf angesprochen, ihre Stundenkontingente zu erhöhen. Dies und hunderte Brandbriefe und Überlastungsanzeigen aus den Schulen zeigen, dass die hessische Personalpolitik nicht durchdacht ist. Auch vor diesem Hintergrund müssen die zweifelhaften Zahlen und Prognosen grundsätzlich hinterfragt werden, die Minister Lorz für die derzeitige Lehrerabdeckung und den zukünftigen Bedarf nennt. 

Daher hat die Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag eine Studie in Auftrag gegeben, die den Bedarf an hessischen Schulen bis 2030 ermittelt. Das Ergebnis ist bemerkenswert und macht deutlich:  Kulturminister Alexander Lorz betreibt Schönfärberei. Die Bildungspolitik der schwarzgrünen Landesregierung ist maßgeblich mitverantwortlich für eine schwierige, mancherorts sogar miserable Situation. Statt sich den bestehenden Problemen zu stellen, wird seit Jahren leider nur Realitätsverleugnung betrieben. Damit muss endlich Schluss sein. Denn Unterrichtsausfall und der Wegfall von Fächern wie Sport und Musik sind Alltag an vielen hessischen Schulen.“

Maike Wiedwald, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen (GEW), ergänzt:

„Die Schülerzahlen werden in Hessen in den nächsten Jahren deutlich ansteigen. Um den Kindern und Jugendlichen eine hochwertige Schulbildung zu ermöglichen, sind genügend gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer unerlässlich.

Inzwischen befinden wir uns jedoch bei vielen Lehrämtern in einer akuten Mangelsituation, die sich noch weiter zu verschärfen droht. Darunter leiden nicht nur die Schülerinnen und Schüler, sondern auch die Lehrkräfte. Das macht deutlich, wie wichtig eine solide Abschätzung des zukünftigen Bedarfs ist.

Die vom Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie erstellte Studie zeigt auf, dass die offiziellen Prognosen der Kultusbürokratie nach wie vor sehr vorsichtig gerechnet sind. Wir brauchen aber genügend neue Lehrkräfte, nicht nur wegen steigender Schülerzahlen, sondern auch um die altersbedingt ausscheidenden Kolleginnen und Kollegen zu ersetzen.

Auch der Ausbau von Ganztagsschulen ist nur mit zusätzlichem Personal möglich - Lehrkräfte wie auch sozialpädagogische Fachkräfte. Für weitergehende Qualitätsverbesserungen, etwa durch kleinere Klassen, sind ebenfalls mehr Lehrkräfte erforderlich. Ein Engpass in der Lehrerbildung, auch das zeigt die Studie auf, war in den letzten Jahren der Vorbereitungsdienst. Daher müssen auch die Kapazitäten der Studienseminare deutlich ausgebaut werden. Darüber hinaus benötigen die Mentorinnen und Mentoren an den Schulen endlich eine Entlastung für ihre wichtige Aufgabe.“

Janine Wissler, Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag ergänzt:

„Seit zehn Jahren fordert die Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag eine deutliche Aufstockung der Lehrerstellen und die entsprechende Bereitstellung der Mittel im Haushalt. Seit zehn Jahren lehnt die CDU-geführte Landesregierung und die sie tragenden Fraktionen – einst CDU und FDP, nun CDU und Grüne – diese Anträge ab. Und begründete dies lange Zeit mit einer angeblich bestehenden ‚demografischen Rendite‘.

Wenn Hessens Kultusminister Alexander Lorz  immer wieder behauptet, Hessens Schulen gehe es so gut wie nie zuvor, macht das deutlich: Der Minister weigert sich, der Realität ins Auge zu blicken. Denn zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme gehört, dass viele Unterrichtsstunden ausfallen, manche Fächer - wie zum Beispiel Musik - teilweise über einen längeren Zeitraum gar nicht unterrichtet werden. Und zudem, dass fachfremd erteilter Unterricht längst die Regel in Hessen ist.“

Zur schlechten Bilanz schwarzgrüner Bildungspolitik gehöre auch, dass sich die Landesregierung weigere, die Arbeit an den Grundschulen endlich angemessen zu bezahlen. Eine Besoldungsaufstockung auf A13 für Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer sei nicht nur gerecht – sie sei überfällig, so Wissler.

„Da sich das CDU-geführte Kultusministerium seit Jahren außer Stande sieht, auf Grundlage von belastbaren Zahlen und Daten realistische Prognosen abzugeben und die zahlreichen Probleme auf dem Feld der Bildungspolitik anzugehen, ist DIE LINKE aktiv geworden. Wir danken dem Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie dafür, dass dieses in akribischer Arbeit wichtige Daten und Fakten zusammengestellt hat. Damit gibt es nun eine ausgezeichnete Grundlage für eine ernst zu nehmende Debatte zu den Anforderungen einer guten Bildungspolitik.

Wir fordern das Kultusministerium und die Regierungsparteien CDU und Grünen auf, sich in angemessener Weise mit den Ergebnissen der Studie zu beschäftigen, sich den Problemen zu stellen und die hartnäckige Realitätsverleugnung zulasten von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern und deren Eltern endlich zu beenden.“

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